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Mit Qualität zu lebenswerten Orten

Qualitätssichernde Verfahren werden bei Bauvorhaben immer wichtiger – auch die Stadt Kriens setzt sie zunehmend ein. Im Interview erklärt Dieter Geissbühler, Dip. Architekt ETH und ehemaliger Lehrbeauftragter am Institut für Architektur der Hochschule Luzern, was unter solchen Verfahren zu verstehen ist, weshalb sie gerade im Rahmen der Ortsplanungsrevision relevant sind und was sie der Bevölkerung bringen.

Was genau versteht man unter qualitätssichernden Verfahren beim Bauen?
Das sind strukturierte Abläufe, die sicherstellen, dass Bauvorhaben nicht nur die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, sondern auch gestalterisch und städtebaulich überzeugen. Fachleute aus verschiedenen Bereichen diskutieren gemeinsam Lösungen – diese Mischung aus Planungsexpertise und unabhängiger Sicht sorgt für Qualität.

Weshalb sind diese Verfahren für die Ortsplanung wichtig?
Mit dem geltenden Planungs- und Baugesetz (PBG) des Kantons Luzern sind qualitätssichernde Verfahren wichtiger geworden. Sie sorgen für einen transparenten und breit abgestützten Entscheidungsprozess. Sie helfen, unterschiedlichste Ansprüche und Vorgaben frühzeitig zu erkennen, fachlich abzuwägen und nachvollziehbar zu dokumentieren. Dadurch wird sichergestellt, dass Bauprojekte nicht nur rechtlich korrekt, sondern auch im Sinne der Baukultur, des Ortsbildschutzes und einer nachhaltigen Entwicklung überzeugend umgesetzt werden.

Welchen Nutzen haben Einwohnerinnen und Einwohner von qualitätssichernden Verfahren?
Sie sichern die Qualität des Ortsbildes und schaffen attraktive, lebenswerte Räume. Bauwillige profitieren von klaren Abläufen und mehr Planungssicherheit. Zudem führt der intensive Austausch mit Fachleuten oft zu besseren Lösungen. Letztendlich können qualitätssichernde Verfahren den Wert und die Identität einer Gemeinde oder Stadt als gemeinsamer Lebensraum stärken.

Wie läuft ein solches Verfahren in der Praxis ab?
Zunächst wird festgelegt, ob und welches qualitätssichernde Verfahren angewendet wird. Je nach Aufgabenstellung kann es sich um einen offenen Wettbewerb, einen Studienauftrag mit mehreren Teams oder ein begleitetes Verfahren (Workshopverfahren) handeln. Zu Beginn steht immer die Erstellung eines Programms, das die Aufgabenstellung präzisiert. Bei Wettbewerben und Studienaufträgen arbeiten die Teams dann eigenständig und präsentieren ihre Lösungen zur Beurteilung. Beim begleiteten Verfahren werden in mehreren Workshops Zwischenergebnisse gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt. Am Ende wird dem Verfahren entsprechend das beste Konzept ausgewählt und weiterbearbeitet. So wird der Planungsprozess transparent, strukturiert und die Qualität der Lösungen erhöht – ohne dass der Aufwand ausufert.

Was sind die grössten Herausforderungen bei der Qualitätssicherung?
Die grössten Herausforderungen bei der Qualitätssicherung sind eine präzise Problemanalyse und die gezielte Einbindung der relevanten Anspruchsgruppen. Besonders wichtig ist ein kompetentes, diskursfähiges Fachgremium, das den Prozess begleitet. Die grösste Hürde bleibt eine sinnvolle Partizipation: Es müssen die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt einbezogen werden, damit tragfähige und umsetzbare Lösungen entstehen. Begleitete Verfahren bieten hier Flexibilität und können gut auf neue Erkenntnisse reagieren.

Dieter Geissbühler
(© Markus Käch)