Welche Art von Wachstum passt zu Kriens – heute und in Zukunft?
Wachstum prägt Kriens seit Jahren – und stösst zunehmend an Akzeptanzgrenzen. Viele Menschen fragen sich, wie viel Verdichtung die Stadt noch verträgt und wo ihre Lebensqualität gesichert bleibt. Mit der Ortsplanungsrevision steht Kriens nun vor der Aufgabe, das weitere Wachstum gezielt zu lenken und klare Antworten auf diese Fragen zu geben.
Die Abstimmungsdebatte über die sogenannte «10-Millionen-Schweiz» hat es gezeigt: Wachstum löst längst nicht mehr nur Aufbruchsstimmung aus, sondern auch Skepsis und Ermüdung. Die Frage nach der richtigen Dichte, nach Belastungsgrenzen von Infrastruktur und Landschaft, nach Identität und Lebensqualität beschäftigt viele Menschen. Diese Stimmung ist nicht nur ein nationales Phänomen – auch in Kriens ist sie spürbar.
Kriens wächst seit Jahren. Neue Quartiere entstehen, bestehende Areale werden umgenutzt, verdichtet und neu belebt. Mit der laufenden Ortsplanungsrevision (OPR) stellt sich eine zentrale Frage: Wie kann weiteres Wachstum so gestaltet werden, dass es nicht als Bedrohung, sondern als Gewinn wahrgenommen wird? Genau hier setzen das Räumliche Entwicklungskonzept (REK) und das Stadtentwicklungsleitbild (STEK) an. Sie verstehen Wachstum nicht als Selbstzweck, sondern als Prozess, der bewusst gesteuert und qualitativ begleitet werden soll.
Entwicklung nach innen
Das REK macht klar: Neue Einzonungen sind kein Thema. Die Entwicklung findet nach innen statt – dort, wo Potenziale bereits vorhanden sind. Verdichtung wird dabei nicht als gleichförmiges «Mehr», sondern als differenzierter Umbau verstanden, der Rücksicht auf Quartiercharaktere, Freiräume und bestehende Strukturen nimmt. Parallel dazu formuliert das STEK die Leitidee einer Stadt der kurzen Wege, mit starken Quartieren, guten Begegnungsorten und einer hohen Lebensqualität für alle Generationen.
Dass Wachstum dabei auch Chancen bietet, betont Nicola Fuso, Geschäftsführer der Logis Suisse AG, die sich seit Jahren mit qualitätsvoller Siedlungsentwicklung befasst – und dies in Kriens auf dem Bell-Areal mit der Schaffung von gemeinnützigem Wohnraum sowie Stockwerkeigentum umsetzen möchte. «Wachstum ist dann sinnvoll, wenn es zu einem spürbaren Qualitätszuwachs führt – etwa durch bessere Freiräume, alltagstaugliche Dichte und bezahlbaren Wohnraum», sagt er. Entscheidend sei nicht die Zahl zusätzlicher Wohnungen, sondern «ob neue Quartiere lebendig, sozial durchmischt und gut eingebettet sind».
Wachstum mit Augenmass und Qualität
Auf der anderen Seite gibt es auch mahnende Stimmen aus den Quartieren. Jo Hürlimann, amtierender Galli-Vater und bis vor kurzem Präsident des Quartiervereins Sonnenberg, bringt eine weit verbreitete Sorge auf den Punkt: «Viele Leute haben das Gefühl, dass ständig gebaut wird, und die Infrastruktur und die Menschen nicht mehr richtig mitkommen. Wachstum darf nicht dazu führen, dass Grün verschwindet, der Verkehr zunimmt oder ein Quartier sein Gesicht verliert.» Verdichtung sei kein Tabu, so Hürlimann, «aber sie braucht Augenmass, erfordert hohe Qualität und echtes Mitreden».
Genau diese Balance will die Ortsplanungsrevision schaffen – mit einem Wachstum entsprechend dem mittleren Bevölkerungsszenario. Das geplante Etappieren von grossen Entwicklungen, die Stärkung von Grün- und Freiräumen, der Fokus auf den Fuss- und Veloverkehr sowie die gezielte Entwicklung der drei Zentren Stadtkern, Mattenhof und Kupferhammer sind Antworten auf die Herausforderung. Sie nehmen ernst, dass Akzeptanz nur dort entsteht, wo die Entwicklung verständlich, nachvollziehbar und erlebbar wird.
OPR entsteht im Dialog
Gleichzeitig geht es darum, das Wachstum mit dem Ausbau von Schulen, Betreuung, Verkehr und öffentlichem Raum abzustimmen. Die OPR soll sicherstellen, dass Infrastruktur und Freiräume Schritt halten – und nicht erst reagieren, wenn Belastungsgrenzen erreicht sind.
Die Debatte um Wachstum wird Kriens weiter begleiten. Die OPR bietet nun die Chance, sie vom Grundsatzstreit wegzuführen hin zur konkreten Frage: Welche Art von Wachstum passt zu Kriens – heute und in Zukunft? Die Antwort darauf entsteht nicht allein auf dem Papier, sondern im Dialog zwischen Stadt, Fachwelt und Bevölkerung.