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Kriens plant mit digitalem Zwilling

Kriens überarbeitet derzeit seine Ortsplanung – erstmals mit einem digitalen 3D Stadtmodell. Die Plattform «LUUCY» macht sichtbar, wie sich neue Regeln wie die Überbauungsziffer auf Quartiere und Bauvolumen auswirken. So wird die Planung nicht nur präziser, sondern für Bevölkerung und Politik greifbarer.

Eine Ortsplanungsrevision (OPR) ist ein anspruchsvoller Blick in die Zukunft. Sie legt fest, wie sich Kriens räumlich entwickelt, wo verdichtet, wo geschützt und wo umgestaltet werden soll. Dabei stehen verschiedene Steuerungsinstrumente zur Verfügung: Zonen und Nutzungsvorgaben bestimmen, was wo möglich ist. Und mit Parametern wie Gebäudehöhen, Überbauungsziffer oder Baulinien lässt sich festlegen, wie dicht ein Gebiet künftig bebaut werden darf.
Damit diese Entscheidungen nachvollziehbar werden, setzt Kriens im aktuellen Planungsprozess auf ein digitales Werkzeug: die 3D Visualisierungsplattform LUUCY. Sie bildet die Stadt als digitalen Zwilling ab – inklusive bestehender Bebauung und potenzieller künftiger Volumen. Im Modell werden jene Gebäude sichtbar, die aufgrund der neuen Bau- und Zonenordnung theoretisch entstehen könnten. «LUUCY hilft uns, zukünftige bauliche Volumen darzustellen und abzuschätzen, welche Auswirkungen die neue Überbauungsziffer in Kombination mit der Gesamthöhe auf die einzelnen Quartiere hat», erklärt Jeantine Burri von der ZEITRAUM Planungen AG, die den Prozess begleitet.

Wechsel von der AZ zur ÜZ
Mit der laufenden Revision wird anstelle der bisherigen Ausnützungsziffer neu die Überbauungsziffer eingeführt. Dieser Wechsel macht die Bestimmung der baulichen Dichte klarer und vergleichbarer, weil künftig nicht mehr die Geschossflächen, sondern die tatsächlich überbaute Bodenfläche im Zentrum steht. Im digitalen Zwilling von LUUCY lassen sich diese Werte unmittelbar räumlich interpretieren. «So wird erkennbar, wie sich unterschiedliche Überbauungsgrade im Quartier auswirken und welche Spielräume oder Grenzen daraus entstehen», ergänzt Burri.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Wirkung von Planungsparametern unmittelbar überprüfen lässt. Wird in einem Quartier ein Gebäude höher oder dichter gedacht, zeigt das Modell die Auswirkungen sofort – etwa auf Verschattung, Freiraumsituation oder die städtebauliche Silhouette. Diese Möglichkeit, Zonenparameter in Echtzeit anzupassen und deren Folgen direkt zu sehen, macht die Plattform besonders wertvoll. «Für eine Stadt wie Kriens, in der der Raum knapp ist und viele Interessen aufeinandertreffen, sind solche visuellen Prüfungen ein wichtiger Schritt hin zu besseren Lösungen», beschreibt Reto von Ballmoos, CEO von LUUCY, den Nutzen. Die Firma hat ihren Sitz in Kriens.

Komplexe Inhalte vereinfachen
Dieses Erkennen von Zusammenhängen ist auch für Patricia Kaschwig zentral. Sie begleitet den Prozess auf städtischer Seite und betont, wie sehr die digitale Darstellung die Diskussion verändert: «Eine OPR lebt von Varianten. Doch erst wenn man sieht, wie sich eine räumliche Idee im Quartier auswirkt, entsteht ein gemeinsames Verständnis. Digitale Modelle helfen enorm, komplexe Inhalte verständlich zu machen – und zwar für Fachleute genauso wie für die Bevölkerung.» LUUCY ist nämlich nicht nur ein Fachinstrument, sondern auch ein Kommunikationsmittel, das den Austausch während der Mitwirkung erleichtern soll.
In Hergiswil (NW) oder in der Stadt Zug wurde die Plattform bereits erfolgreich in OPR Prozessen eingesetzt, um die Bevölkerung früh mitzunehmen. Interessierte konnten direkt im 3D Modell nachvollziehen, was Zonenänderungen bedeuten würden – eine Praxis, die Transparenz und Verständnis deutlich erhöht hat. Dieses Prinzip soll auch bei der Mitwirkung in Kriens eine zentrale Rolle spielen.